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Presse-Archiv

09.03.2012 – Holsteinischer Courier – Autor: Udo Carstens – Fotos: Ruff – Zum Film: Eröffnungsvideo Falladapreis

Ehrung für den „Zauberer“ Herrndorf

Stadt Neumünster vergab zum 15. Mal ihren Fallada-Preis / Für den erkrankten Autor nahm Kathrin Passig die Auszeichnung entgegen

Ehrung des 15. Fallada-Preisträgers: Oberbürgermeister Olaf Tauras überreichte die Urkunde an Kathrin Passig, die als Vertraute des schwer erkrankten Schriftstellers Wolfgang Herrndorf nach Neumünster gekommen war.

Ehrung des 15. Fallada-Preisträgers: Oberbürgermeister Olaf Tauras überreichte die Urkunde an Kathrin Passig, die als Vertraute des schwer erkrankten Schriftstellers Wolfgang Herrndorf nach Neumünster gekommen war.

Wolfgang Herrndorf

Wolfgang Herrndorf

Neumünster – Der Hans-Fallada-Preis 2012 ist vergeben. Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras überreichte die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung am Mittwochabend in der ausverkauften Stadthalle an Kathrin Passig. Sie nahm die literarische Würdigung aber nur stellvertretend an – Wolfgang Herrndorf, der eigentliche Preisträger, konnte wegen einer schweren Erkrankung nicht persönlich an der Feierstunde teilnehmen.

Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth als Jury-Vorsitzender erzählte, dass die Entscheidung – im Gegensatz zu manchen Vorjahren – diesmal einfach zustande gekommen sei. Gleich mehrere Mitglieder der siebenköpfigen Gruppe hätten den Roman „Tschick“ des in Norderstedt aufgewachsenen, heute in Berlin lebenden Autoren favorisiert. Vergleichsweise schnell stand deshalb die Entscheidung, Wolfgang Hermdorf als 15. Fallada-Preisträger zu benennen. In der Laudatio heißt es: „Tschick ist ein rasantes Road-Movie, kurzweilig geschrieben, witzig und traurig zugleich. Der Autor schafft jede Menge Situationskomik und skurrile Figuren. Die Provinz wird zu einem großen Abenteuer.“

Bernd Soffner hatte mit Pascal Huckfeldt (Tschick) und Jannic Klein (Maik) ein kleines Bühnenstück einstudiert. Ihr origineller Dialog machte auch alle Zuhörer, die das Buch noch nicht in der Hand hatten, mit der erfrischenden Sprache der jugendlichen Helden vertraut.

Professor Dr. Friedmar Apel von der Universität Bielefeld analysierte die literarischen Mittel, die der „Zauberer Herrndorf“ in seinem Werk benutzt: den schrägen Humor etwa oder die skandalös-positive Beschreibung von Amtspersonen, vor allem die märchenhafte Struktur, die der Welt einen „romantisch-wunderbaren Ausdruck“ verleiht. Insgesamt ist „Tschick“ für Apel eines der seltenen Bücher, die die Fähigkeit besitzen, selbst bei verknöcherten Erwachsenen den Drang zur Veränderung zu fördern.

Das Canto & Concerto Lübeck unter der Leitung von Hans-Jürgen Schnoor begleitete, wie von Herrndorf erbeten, den Abend mit der Bach-Kantate „Jesu, der Du meine Seele“. Der Autor weiß nicht, ob er mit seinem Gehirntumor die nächsten Monate überlebt. Deshalb endete die Feierstunde mit den besten Genesungswünschen an den 46-jährigen Schriftsteller.