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24.02.2011 – Kieler Nachrichten – Autor: Beate König – Zum Film: Friedhelm Erbt

Lohn für kreatives Schaffen

Filmkunst-Nachwuchs erhielt in Neumünster „Medienpreis Schleswig-Holstein"

Neumünster – Den kreativen Nachwuchs im Bereich Filmkunst fördern und bereits Schüler zur kritischen Auseinandersetzung mit modernen Medien anregen – beides hat sich der Wettbewerb „Medienpreis Schleswig-Holstein“ seit sieben Jahren zum Ziel gesetzt. Am Dienstag wurden die besten Krimis, Werbespots, Computerspiele und 3D-Animationsstreifen in der Stadthalle Neumünster gekürt.

Zehnjährige Schüler und 26-jährige Hochschulabsolventen teilten sich die Siegertreppchen beim Wettbewerb, zu dem die MA HSH (Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein), die Dr.-Hans Hoch-Stiftung und der Offene Kanal Schleswig-Holstein aufriefen, um den „SchülerMedienpreis SH“ und des „Dr. Hans Hoch-Preis für Medienkunst“ zu vergeben. Die Wettbewerbspreise von 500 Euro bis 2000 Euro – die höchsten bundesweit im Bereich Nachwuchsförderung – sind jedes Jahr heißer begehrt: 61 sehenswerte Beiträge, fast doppelt so viele wie im Vorjahr, wurden eingereicht.

Die Bandbreite reichte 2011 von einem mit Geduld und Ausdauer über vier Monate Bild für Bild per Hand gelegten und fotografierten Stop-Motion-Film mit Krimi-Plot von Grundschülern über die poetische Übersetzung einer Puccini-Arie in tänzerisch feine Gebärdensprache bis zum optisch geschmeidigen High-End-Imagefilm für einen Jackenhersteller. Elegant verzahnten Absolventen der Fachhochschule Kiel darin Trickfilm-Elemente mit edlen Schwarz-Weiß-Clips.

Morbiden Charme entfaltete das von Studenten der Fachhochschule Flensburg entwickelte Computerspiel „Doctivismus“, bei der playmobilartig aussehende Ärzte und Krankenschwestern Patienten wie Tamagochis pflegen müssen, sonst droht der „Totalausfall“ eines Unversorgten. Berührend und in seinen ausgewählten Bildern so überzeugend schlicht, dass er auch mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde: ein konventionell gedrehter Film über den 88-jährigen Zeitzeugen Friedhelm Erbt, der ein dramatisches Kriegserlebnis schildert. Aus sechs Stunden Filmmaterial schnitten die Neumünsteraner Schüler Lasse Bruhn und Marc Schulz fünf Minuten hochwirksames Erinnerungskondensat zusammen.

Die eigene Einstellung zu modernen Medien erkennen, überprüfen, wie der eigene Umgang mit der illusionistischen Welt des Films aussieht, die permanent per Handy, Internet, Fernsehen oder Kino auf Kinder und Jugendliche einprasselt – das geht am besten durch den Perspektivwechsel weg von der Konsumenten- und hin zur Produzentenseite. Lehrer Hans-Friedrich Helfrich von der Meldorfer Gelehrtenschule nutzte die Preisübergabe für einen Appell, den von der Landesregierung abgesegneten Fächerkanon zu überdenken. Medien haben seit der jüngsten Schulreform an Schulen keinen Platz mehr als eigenständiges Unterrichtsfach. Die Entscheidung dagegen mute etwas altertümlich angesichts der allgegenwärtigen Medien-Präsenz an. „In anderen Bundesländern sind neue Medien ein eigenes Fach“, klagte Helfrich. „Wir hinken hinterher.“